Ich bin schon seit langem ein treuer Fan der NBA Live Spieleserie von EA Sports und war auch immer begeistert von den Ambitionen der Macher ein möglichst realistisches Computerspiel auf den Markt zu bringen, das den Fans der orangenen Kugel ermöglicht selbst ein NBA-Team zu lenken. Doch während Jahr für Jahr neue Versionen veröffentlicht werden und an Aspekten wie Grafik oder Realitätsbezogenheit gearbeitet wird geht langsam das eine Entscheidende für ein Spiel verloren. Der Spaß.

Woran das liegt ist gar nicht so schwer zu ergründen, wenn man sich ein wenig mit NBA Live 2007 auseinandergesetzt hat. Es sind viele Kleinigkeiten die zusammenfallen und dazu führen, dass ruhige und ausgeglichene Menschen, wie ich, vor Zorn erbeben. Aber fangen wir von vorne an.

Allgemeine Probleme

  • Tastatur
    Wenn man keine Lust hat Geld in ein Game-Pad zu investieren ist man auf die Tastatur angewiesen. Bei spielen selbst ist das nicht so schlimm, nur funktioniert diese im Menü nicht, d.h. man ist dauernd auf die Maus angewiesen. Irgendwie nervig, vor allem weil dieses Problem bei anderen EASports-Spielen (z.B. FIFA Football 2005) nicht gegeben ist.
  • Speichern
    Möchte man halbwegs realistische Punktestände erzielen wird es nötig sein die Viertellänge eines Spiels auf zumindest 6 Minuten einzustellen. Dadurch kann so eine Partie schon 30, 40 Minuten dauern. Leider ist es aber nicht möglich während des Spiels zu speichern. Nur vorher oder nachher. Das ist schon deswegen ärgerlich, weil es diese Option mal gab und sie so um den Jahrtausendwechsel verworfen wurde.

Soviel dazu. Beim Start des Spiels gelangt der Spieler zunächst ins Menü. Dort gibt es die Möglichkeiten ein Freundschaftsspiel zu starten, am All-Star Game teilzunehmen oder die Kader der Mannschaften bzw. die Einstellungen zu ändern. Alles wie gehabt. Ein weiterer Punkt, den es auch schon ein paar Jahre gibt, ist der Dynasty Mode, das Prunkstück des Spiels. Hier hat der Spieler die Möglichkeit als Manager und Trainer ein Team seiner Wahl zu betreuen.

Problem: Dynasty-Mode

  • Anzahl der Spiele
    Die reale Saison eines NBA-Teams beträgt 82 Spiele (im Zeitraum von Ende Oktober bis Ende April) + Playoffs (falls qualifiziert, maximal bis Mitte Juni).Bei den Vorgängern war es noch möglich die Länge der Saison zu bestimmen (kurz-mittel-lang). Das wurde hier weggelassen und führt somit dazu, dass wohl kaum jemand alle Spiele absolvieren wird und somit zu der Computersimulation.
  • Manager Aufgaben
    Als Manager hat der Spieler die Aufgabe seine Mitarbeitern (Ass.-Cheftrainer, Assistenztrainer, Physiotherapeut und Scout), die er vorher einstellen muss, zu beschäftigen. Und das natürlich über das ganze Jahr lang. Die Kommunikation wird dabei über einen PDA geführt, dessen Signal praktisch jeden simulierten Tag aufblinkt. Auch der Besitzer meldet sich damit.Diese Neuerung wurde zwar mit viel Liebe zum Detail gemacht, aber es ist einfach zu viel. Die dauernden Nachrichten nerven nach einiger Zeit gewaltig und sie zu ignorieren bedeutet nur Ärger mit dem Besitzer zu kommen. Man hat zwar die Möglichkeit den PDA so einzustellen, dass er nicht dauernd läutet nur leider sind einige Informationen doch essentiell. (Trade-Angebote, Verletzungen, …)
  • Trades
    Hier hat der Spieler die Möglichkeit durch Trades (also tauschen) seinen Kader zu verstärken bzw. an bessere Draft-Picks zu gelangen. Auch der Computer kann traden. (mit dem Spieler oder einem anderen Team)Die Trades sind ein wichtiger Bestandteil des Spiels nur muss man sich als Spieler teilweise damit rumplagen, dass seine Vorschläge laufend abgelehnt werden und oft nur zu seinem Nachteil über den Tisch gehen. Gut, das ist eigentlich recht realistisch nur schmerzt es dann zu sehen, dass der Computer teilweise lächerliche Trades unter den anderen Teams macht. Und das oft mit den wichtigsten Spielern der Mannschaften.
  • Spielerauszeichnungen
    Am Ende der Saison werden die besten Spieler in verschiedenen Kategorien gewählt. So gibt es Auszeichnungen für den wichtigsten Spieler (MVP - Most valuable Player), den besten Rookie (ROY), den besten Verteidiger, usw.Hier wurden einige Kategorien ganz gut umgesetzt und es gibt meist verständliche Entscheidungen. Außer bei den Kategorien MIP und MVP. Der MIP (Most Improved Player) ist der Spieler, der sich im Vergleich zur letzten Saison am Meisten verbessert hat. Jedoch nicht im Spiel. Diese Auszeichnung geht größtenteils an Jemanden der sich kaum gesteigert aber ganz gut gespielt hat. Der MVP-Titel geht mit 95%iger Wahrscheinlichkeit an Kevin Garnett. Eigentlich nicht schlimm, da er immer souverän spielt, nur ist diese Auszeichnung normalerweise für den besten Spieler des besten Teams gedacht und das ist bei KG´s Timberwolves nie gegeben. Nicht mal annähernd. Beides irgendwie witzlos.
  • Umsetzung der Spieler
    Hierbei ist die Umsetzung der Spieler von Wirklichkeit zum Spiel gemeint. Also guter Spieler in der Realität = guter Spieler in NBA LiveDas ist in den meisten Fällen wirklich gut gelungen. Man muss fast sagen wieder einmal. Nur bei Einigen hat das diesmal nicht funktioniert, so auch bei Dwyane Wade. Warum ist das so wichtig? Nun ja, dieser junge Mann, hat im letzten Jahr mit den Miami Heat die Meisterschaft gewonnen und wurde zum Finals-MVP gewählt. Somit ist er der Beste Spieler und diese Eigenschaft wurde leider nicht ins Spiel übernommen. Dort ist er immer nur durchschnitt.

Diese Punkte sind alle ärgerlich, auch weil viele davon so zeitaufwendig sind. Den Spaß wird dadurch aber nur bedingt getrübt. Dafür verantwortlich ist eher das Gameplay, also der Verlauf einer Partie, das Verhalten der Spieler dabei, …, den hier greift der Computer teilweise mehr ein als er sollte.

Problem: Gameplay

  • Ermüdung
    Diese Funktion ist schon deswegen wichtig, weil einzelne Spieler verschieden schnell müde werden und damit die Qualität der Bankspieler entscheidend sein kannDie Umsetzung im Spiel läuft daraus hinaus, dass zwar Alle müde werden, aber der Computer nicht wechselt (außer bei Verletzungen oder Foul-Problemen). Diese Ermüdung scheint auch keine Auswirkung auf seine Spieler zu haben. Vorteil Comp.
  • Gegnerischer PG
    Der Point Guard (also Aufbauspieler) des Gegners macht immer die meisten Punkte seines Teams. Völlig egal wie schlecht er ist und wie viele Superstars mit ihm in der Aufstellung stehen. Meistens trifft er auch jeden Dreck.
  • Fouls (1)
    Der Schiedsrichter (also der Computer) pfeift oft sehr willkürlich. Dabei meistens zu seinem Vorteil.
  • Fouls (2)
    Damit man die Übersicht behält bzw. nicht dauernd in die Statistikzentrale gehen muss wurde bisher die Anzahl der Fouls eines Spielers (darf maximal 6 machen) während der Partie eingeblendet. Auch ein Feature, das verloren gegangen ist.
  • Passen (1)
    Es wird nur selten der näheste Mitspieler angepasst. Meistens gibt es Harakiri-Pässe und das führt gelegentlich zu Ballverlusten.
  • Passen (2)
    Die Pass-Taste muss teilweise öfters betätigt werden bevor sich etwas tut. Woran das liegt ist schwer zu sagen. Jedenfalls nicht an meinem Computer(!).
  • Passen (3)
    Wenn die eigene Mannschaft im Angriff ist gibt der PG fast immer Bodenpässe in die Zone. Auch das führt zu Ballverlusten.
  • Computersteuerung
    Da man immer nur einen Spieler seiner Mannschaft steuern kann werden die anderen 4 vom Computer übernommen.Das führt teilweise zu nicht ganz nachvollziehbaren Bewegungen. Sowohl in Offense (Spieler bleiben beim Fast Break stehen) als Defense (Verteidiger macht dem Ball führenden Gegner Platz).
  • Rebound
    Es gibt eine eigene Taste, die man betätigen muss wenn man einen Rebound bekommen möchteLeider springt der Spieler oft zu spät, in die falsche Richtung oder eben gar nicht. Dadurch ist der Computer immer im Vorteil.
  • Layup - Dunk
    Zum ersten Mal ist es möglich selbst die Wahl zu treffen ob der Spieler einen Layup oder einen Dunk machtLeider ist die Trefferqoute dabei erheblich gesunken. So werden 1 gegen 0 Situationen gelegentlich wie bei einem Spiel von 10jährigen versemmelt.
  • Einwurf
    Nach getroffenen Körben, Auszeiten oder Fouls wird der Ball aus dem Out eingeworfen.Das wird immer von einem festgelegten Spieler gemacht, Egal wo dieser gerade ist. Das kostet oft Zeit und Nerven.
  • Freiwurf
    Wenn ein Spieler bei Wurf gefoult wird bekommt er FreiwürfeDie bewährte Methode der 2 Balken (Ball bewegt sich in einem Kreuz. Wenn man rechtzeitig drück, trifft man) wurde aufgegeben und durch ein System ersetzt, das auf Gefühl basiert. Ganz nett, aber nicht kontrollierbar. D.H. Comp bestimmt ob der Spieler trifft. Außerdem sind die persönlichen Sequenzen der Vorbereitung der Spieler zu lange und können nicht unterbrochen werden.
  • Jubel-Sequenzen
    Nach einer besonders spektakulären oder wichtigen Aktion jubeln die Spieler. Dafür wurden die Wiederholungen heraus genommenWährend gejubelt wird kann man diese Spieler nicht steuern, die Kamera bleibt auf ihnen aber das Spiel geht weiter. Das führt zu leichten Punkten des Gegners.Und last but not least:
  • Alley oop

    Der „Alley oop“ ist ein Basketball-Bewegungsablauf, bei dem Spieler A den Ball Spieler B zuwirft und dieser den Ball während des Sprungs in der Luft fängt und auch noch in der Sprungphase wirft oder dunkt. Der „Alley Oop“ gilt als einer der spektakulärsten Spielzüge im Basketball. (Wikipedia)

    Für diese Aktion gibt es eine eigene Taste. Leider funktioniert es nur selten da der Ball meistens irgendwo landet.

Mir ist klar, dass es ein langer Artikel geworden ist der wahrscheinlich nur wenige interessieren wird. Solltest du nicht dazu gehören, danke fürs Lesen. Mir ist ebenfalls klar, dass hier wahrscheinlich nichts geschrieben wurde, das im Netz nicht schon zu finden wäre. Doch da die meisten Berichte schon kurz nach der Veröffentlichung des Spiels geschrieben wurden, kann es wohl nicht schaden auch einen Erfahrungsbericht von einem halben Jahr Spiele-Spaß zu haben.

Sollte die Frage aufkommen warum ich NBA Live 2007 spiele, obwohl ich so viele Punkte zu bemängeln habe, dann kann ich nur sagen, dass ich über 10 Jahre sehr zufrieden mit der Serie war und noch immer Spaß daran finde an einer NBA-Saison teilzunehmen. Im Grunde hoffe ich hier nur zu bewirken, dass die nächste Version wieder besser wird und sich Electronic Arts, der zahlreich enttäuschten Stimmen ihrer Fans annimmt.

Letztendlich sind die bemängelten Fehler im Gameplay ja keine Sachen die nicht passieren können. Jeder Basketballer hat sicher schon mal einige dieser Situation erlebt und sich darüber geärgert. Fehlentscheidung der Schiedsrichter, Fehlpässe oder dumme Mitspieler kennen die wohl Alle, aber in einem Computerspiel, das auf der NBA basiert will ich das nicht haben.

Na ja, vielleicht wurde das Spiel einfach zu realistisch gemacht um daran noch Spaß zu haben.